CHR. SCHLAUTMANN, A. TRÖMEL
HANDELSBLATT, 3.6.2004
DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Karstadt-Quelle -Konzern steigt in den Handel mit
Medikamenten ein. Das Essener Unternehmen gab gestern bekannt, dass es ab sofort
rund 200 000 verschreibungspflichtige und rezeptfreie Präparate über sein
Internetkaufhaus Karstadt.de anbietet. Dabei unterbietet es nach eigenen Angaben
die Preise der traditionellen Apotheken bei rezeptfreien Medikamenten um bis zu
30 %.
Obwohl das Internetkaufhaus nach früheren Angaben jeden Monat rund 2,2 Millionen
Besuche zählt, sehen die Apotheker die neue Konkurrenz betont gelassen. "Dabei
handelt es sich ja nur um eine Marketing-Kooperation", sagte ein Sprecher des
Branchenverbandes ABDA. Das Gesetz verbiete es dem Karstadt-Konzern, selbst eine
Internetapotheke zu betreiben.
Das neue Angebot macht jedoch nicht nur den rund 20 000 Apotheken in Deutschland
Konkurrenz, sondern vor allem dem niederländischen Branchenpionier Doc Morris .
Mit dessen Gesellschaftern hatte Karstadt-Quelle zuvor über den Kauf von
Unternehmensanteilen verhandelt. Als das Handelsblatt allerdings vor knapp zwei
Monaten über den geplanten Einstieg des Konzerns in den Internethandel mit
Medikamenten berichtet hatte, hatte Karstadt- Quelle scharf dementiert.
Statt sich an Doc Morris zu beteiligen, hat sich das Unternehmen nun mit dem
Internet-Shop der Wittenberger Robert-Koch-Apotheke zusammengetan. Mit dessen
Unterstützung betreibt das Internetversandhaus Karstadt.de ab sofort den neuen
Gesundheitsbereich mycare.de, den man mit einem Klick von der
Karstadt.de-Startseite aus erreicht. Der Pharma-Umsatz läuft allerdings nicht
durch die Karstadt-Kasse. Die Essener erhalten für jeden über ihre Internetseite
gewonnenen Arzneikunden lediglich eine Provision.
Die in Deutschland zugelassene Versandapotheke verspricht den Internetnutzern
neben attraktiven Preisen eine "umfangreiche Kontrolle und Beratung durch
pharmazeutisches Fachpersonal". Eine kostenlose Telefonhotline ist bereits
geschaltet. Die Onlinebesteller würden auch auf Wechsel- und Nebenwirkungen
bestellter Medikamente hingewiesen, versicherte ein Karstadt- Quelle-Sprecher.
Die mit Karstadt.de verbundene Versandapotheke funktioniert nach demselben
Prinzip wie der von Ralf Däinghaus gegründete niederländische Internetpionier
Doc Morris. Rezeptfreie Medikamente können direkt online bestellt werden. Um
verschreibungspflichtige Präparate zu ordern, müssen die Patienten das
Originalrezept mit der Post an Mycare schicken.
Höchstens drei Werktage soll es dauern, bis die Rezeptbestellungen kostenlos bei
der angegebenen Adresse eintreffen. Abgerechnet wird direkt mit der
Krankenkasse.
Gegenüber dem niederländischen Konkurrenten Doc Morris bleibt den Essenern
allerdings ein Wettbewerbsnachteil: Weil die Robert- Koch-Apotheke von
Deutschland aus arbeitet, unterliegt ihr Online- Shop bei
verschreibungspflichtigen Arzneimitteln der hiesigen Preisbindung. Nicht einmal
auf die Zuzahlung darf Karstadts Partner daher einen Rabatt gewähren.
Doch der Preisunterschied zu Doc Morris ist bei vielen Produkten gering. Eine
Zwölferpackung Viagra kostet bei Mycare 99,50 Euro, beim niederländischen
Wettbewerber lediglich 22 Cent weniger. Die Dreimonatspackung der Antibabypille
Yasmin ist bei Doc Morris sogar etwas teurer als beim Kooperationspartner des
Karstadt-Internetportals.
Größere Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Online-Anbietern entstehen
bei den rezeptfreien Präparaten, die seit Jahresbeginn allerdings auch in
herkömmlichen Apotheken keiner Preisbindung mehr unterliegen. Hier könnten sich
die Verbraucher also theoretisch nach dem preiswertesten Angebot richten.
Ähnlich wie bei der Liberalisierung des Telefonmarktes vor einigen Jahren
erschwert allerdings die Fülle der Preisvariablen die Auswahl. Denn zu den
Preisen und Zuzahlungen kommen noch die Versandkosten. Diese erlässt Doc Morris
dem Patienten, wenn mindestens zwei der Präparate von der Kasse bezahlt werden
oder der Bestellwert 40 Euro überschreitet, Mycare erst ab einem Bestellwert von
50 Euro.
Quelle: Handelsblatt
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